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27. Oktober 2026

Was Podcasts mit Unabhängigkeit zu tun haben

Rasenfunk und Stay Forever begleiten mich seit Jahren. Beide zeigen auf ihre Weise, wie man ein eigenes Angebot aufbaut und dabei unabhängig bleibt.

Podcasts sind Sendungen, die man abonnieren und hören kann, wann man möchte. Ab Mitte der 2000er wurde das Format bekannter. Ich habe sie als Jugendlicher durch Game One entdeckt. Gegen Ende meiner Schulzeit habe ich die Gespräche über Spiele und Spielereihen rauf und runter gehört – beim Joggen, beim Spazierengehen oder zum Einschlafen, manchmal bis tief in die Nacht. Damals waren Videospiele, Filme und Popkultur meine Themen. Mit den Jahren kamen Fußball, Politik und Gesellschaft dazu, und auch mein Interesse an Geschichte bekam immer wieder neuen Stoff. Bis heute höre ich etwa „Eine Stunde History“ und „Apokalypse & Filterkaffee“. Zwei Podcasts sind mir dabei besonders ans Herz gewachsen: Rasenfunk und Stay Forever.

Ein Beispiel ist der Rasenfunk, den Max-Jacob Ost und Frank Helmschrott 2014 gegründet haben. Max und die weiteren Stimmen des Podcasts nehmen sich Zeit für die Bundesligen, Nationalteams und gesellschaftliche Fragen rund um den Fußball. Ich mag die Recherche, die geerdeten Gespräche und dass Max eine klare Haltung hat. Genauso beeindruckt mich das Finanzierungsmodell: Der 2016 gegründete Supporters Club ermöglicht ein Angebot ohne Werbung, Sponsoren oder Paywall. Laut Rasenfunk kann Max seit 2019 davon leben, seit 2020 werden auch Gäste bezahlt. Für mich zeigt das, dass redaktionelle Unabhängigkeit und ein offener Zugang zusammen funktionieren können.

Noch länger begleitet mich Stay Forever. Gunnar Lott und Christian Schmidt haben den Retrospiele-Podcast im August 2011 gegründet. Für mich ist er weit mehr als eine gute Gelegenheit, über alte Spiele zu reden. Fast jede Folge macht mir Lust, selbst etwas auszuprobieren, alte Hardware wieder anzuschauen oder mich mit der Geschichte einer Technik zu beschäftigen. Ich gehe oft mit einer neuen Idee aus einer Folge heraus. Das ist ein großer Teil davon, warum mir dieses Projekt so viel bedeutet.

Stay Forever ist unter anderem über Patreon und Steady gewachsen, mit zusätzlichen Folgen für zahlende Mitglieder. Am 8. Juli 2026 hat das Team dann eine eigene Website samt Mitgliederplattform vorgestellt. Abos und Unterstützung lassen sich nun direkt organisieren; Patreon und Steady bleiben als Möglichkeit bestehen. Besonders gut finde ich, dass wir Hörer dabei mehr Freiheit bekommen: Über persönliche RSS-Feeds kann ich selbst auswählen, welche freien und geschützten Formate in meiner Podcast-App landen. Auch die Website bleibt werbefrei. So wird aus weniger Abhängigkeit auch ein besseres Angebot.

Beide Projekte haben damit ihren eigenen Weg gefunden. Rasenfunk hält sein Angebot für alle offen, Stay Forever verbindet freie Folgen mit bezahlten Zusatzformaten und einer eigenen Plattform. Ich bin und bleibe Fan und möchte beide unterstützen, solange es sie gibt. Wer das auch tun möchte, findet den Rasenfunk Supporters Club und die direkte Unterstützung bei Stay Forever. Für mich sind die beiden Beispiele eine Erinnerung daran, dass Souveränität weit über IT-Firmen und Cloud-Anbieter hinausgeht. Sie beginnt auch bei der Frage, wie viel man über das eigene Angebot selbst entscheiden möchte.